Vom Kohlenpott zum Wasserstoff-Hotspot
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Oder auch: Warum das h2-netzwerk-ruhr e. V. seit über 15 Jahren den Takt angibt

Wenn irgendwo in Deutschland Menschen wissen, wie man Energie in großem Stil produziert, dann hier: im Ruhrgebiet.
Früher Kohle, heute Knallgas. Und dazwischen? Mehr als 15 Jahre beeindruckende Aufbauarbeit eines Netzwerks, das eher nach Hightech-Labor klingt als nach Zechenlampe: das h2-netzwerk-ruhr e. V.
Wer denkt, Wasserstoff sei nur etwas für Nerds, Labore oder futuristische Züge, hat die Rechnung ohne dieses Netzwerk gemacht. Hier wird Wasserstoff nicht erklärt – hier wird er gelebt. Und zwar von über 88 Mitgliedern, die so unterschiedlich sind wie die Menschen im Ruhrgebiet selbst: Kommunen, Energieversorger, Hochschulen, kleine Spezialfirmen, große Industrien und richtig viel Ingenieurs-Genie.

Eine Region, die seit 150 Jahren Energie kann
Die Metropole Ruhr ist eigentlich seit Jahrzehnten ein Energielabor – nur hat man früher Kohle statt Moleküle aus Wasser aufgespalten. Doch das Know-how, das industrielle Denken, die Infrastruktur, die Hochschulen: all das ist noch da.
Und genau das macht die Region heute zu einem Ort, an dem Wasserstoff nicht nur diskutiert, sondern großflächig produziert, getestet und in die Industrie gebracht wird.
Forschung?
ZBT Duisburg, Fraunhofer UMSICHT, Westfälische Hochschule, Ruhr-Universität Bochum.
Industrie?
Air Liquide, Thyssenkrupp Nucera, OGE, Cummins, Evonik, AGR.
Innovationsgeist?
Definitiv. Und zwar nicht im Labor-, sondern im Ruhrpott-Stil: pragmatisch, robust, zukunftssicher.
Wie alles begann: 2008, Herten, sieben Gründungsmitglieder und eine große Vision
Als Wasserstoff politisch noch ein Nischenthema war, gründeten Bottrop, Gladbeck, Herten, Marl, die Emschergenossenschaft, WiN Emscher-Lippe und die Business Metropole Ruhr den Verein, der heute das größte und älteste Wasserstoffnetzwerk der Region ist.
Die Idee war radikal einfach:
„Wasserstoff wird wichtig. Lasst uns früh anfangen. Und lasst uns das zusammen tun.“
Heute – über 15 Jahre später – zeigt sich, wie richtig diese Entscheidung war.
Wachstum mit Rückenwind: 91 Mitglieder und kein Ende in Sicht
Zwischen 2019 und 2023 verdoppelte sich die Anzahl der Mitglieder. Nicht etwa, weil Wasserstoff ein Modethema wäre. Sondern weil die Region den „Markthochlauf“ ernst meint – und weil man verstanden hat, dass es Netzwerke braucht, um komplexe Technologien zu skalieren.
Das Netzwerk verbindet Akteurinnen und Akteure, vermittelt Fachexpertise, holt Behörden an den Tisch, öffnet Türen, schafft Orientierung.
Kurz: Es macht Wasserstoff einfacher – und das ist schwer genug.
Wo Wasserstoff im Ruhrgebiet heute schon Alltag ist
Die Broschüre ZUKUNFT WASSERSTOFF. GEMEINSAM ENTWICKELN. OPTIMAL NUTZEN. zeigt eindrucksvoll: Wasserstoff ist keine PowerPoint-Folie, sondern ein echtes Arbeitsmittel.

Einige Highlights:
Air Liquide: Deutschlands größtes Wasserstoffnetz
240 Kilometer Fernleitungsnetz, Versorgung großer Industrieabnehmer, das größte Wasserstoff-Abfüllzentrum Europas in Marl – und exzellente Technologieführerschaft.
Kläranlage Bottrop: E-Fuels aus Abwasser? Ja!
CO₂ aus dem Klärprozess trifft auf Wasserstoff – Ergebnis: grünes Methanol für schwere Verkehrsträger. Gefördert vom Bundesverkehrsministerium.
GET H2 Nukleus: 130 km H2-Infrastruktur
Ein öffentlich zugängliches Leitungsnetz von Lingen bis Gelsenkirchen. Grüne Moleküle für die Industrie – und ein Leuchtturmprojekt für ein deutschlandweites Wasserstoffnetz.
AGR Herten: Grüner Wasserstoff aus Müll
Aus dem Abfallkraftwerk entsteht ab 2024 grüner Wasserstoff – regional, verfügbar, alltagstauglich. Zero Emission im besten Sinne.
Cummins: Brennstoffzellen für Züge und LKWDie deutschlandweit erste komplette Serienfertigung von Brennstoffzellensystemen für Züge und LKW steht seit 2023 in Herten. Cummins beweist damit: Der Dieselmotor ist ersetzbar.
Diese Projekte zeigen: Wasserstoff ist längst da. Und er wächst weiter.

Wasserstoff erklärt: Einfach, anschaulich, praktisch
Wie im Blogbeitrag zu Power-to-Gas darf auch hier ein kurzer Verständlichkeitsblock nicht fehlen:
Wasserstoff kann man speichern. Das ist Gold wert, wenn Wind und Sonne mal Pause machen.
Elektrolyse ist die Schlüsseltechnologie. Und die Region ist vorne mit dabei.
Grüner Wasserstoff ist klimaneutral. Und damit ein zentraler Baustein der Energiewende.
Die Anwendungspalette ist riesig. Fahrzeuge, Chemie, Stahl, Glas, Wärme, E-Fuels – überall dort, wo CO₂-Reduktion nicht trivial ist.
Was das Netzwerk jeden Tag leistet
Das h2-netzwerk-ruhr ist weit mehr als ein Verteiler für E-Mails; es geht um echte Themen, es geht um das Sichtbar machen, um Transparenz - und das ist nur ein Bruchteil der Aufgaben.
Zum Beispiel findet Vernetzung auf hohem Niveau statt.
Mittags Anlagenbauer, nachmittags Wissenschaft, abends Politik. Das Netzwerk bringt die zusammen, die zusammengehören.

Sowie auch Öffentlichkeitsarbeit, die wirkt:
Workshops, Praxistage, Webinare, Führungen – Wissen wird erlebbar.
Bildungsprogramme wie HyNoon für Schülergruppen (inkl. Wasserstoff-Experimentkoffer – spektakulär!) und die Summerschools für Studierende bringen das Thema Wasserstoff verständlich näher und schaffen Akzeptanz.
Die regionale Zukunftschance: Vom fossilen Herzen Europas zur H2-Metropole
Die Energiewende braucht Elektrolyseure – und zwar viele. Forschungsinstitute, Unternehmen und Hochschulen im Ruhrgebiet entwickeln diese Technologie seit Jahren.
Mit steigenden Bedarfen entsteht:
eine wachsende Industrie
neue Wertschöpfung
ein Jobmotor
und ein Innovationscluster, das international wahrgenommen wird.
Hier wird nicht mehr fossile Energie abgebaut – sondern Zukunft gebaut.

Ausblick – oder: Warum die nächsten 15 Jahre noch interessanter werden
Es gibt viel zu tun:
Ausbau der Infrastruktur
weitere Mitglieder gewinnen
Pilotprojekte skalieren
Industrieanwendungen verbreitern
Menschen für Wasserstoff begeistern
regionale Energiesysteme intelligent vernetzen

Und das h2-netzwerk-ruhr?
Es wird weiterhin koordinieren, verbinden, erklären, inspirieren – und Menschen zusammenbringen, die diese Transformation gestalten.
Wer mitmachen will: Das Netzwerk freut sich über jede Anfrage. Der Einstieg ist niedrigschwellig, die Community stark, und der Nutzen groß.
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Dieser Beitrag entstand in enger Zusammenarbeit mit Peter Brautmeier und Dr. Désirée Schulte vom h2-netzwerk-ruhr.
Mehr Wissens- und Lesenswertes über das h2-netzwerk-ruhr gibt es auf der Website sowie bei LinkedIn.





