Ein Schirmherr (der #WDW2026) unter der Lupe
- Gastautor:in

- vor 5 Tagen
- 5 Min. Lesezeit

Der Mensch hinter der Rolle
Wasserstoff ist ein großes Wort. Energiewende auch. Doch hinter beiden stehen keine abstrakten Konzepte – sondern Menschen. Menschen mit Überzeugungen, Erfahrungen und Verantwortung.
Mit der Schirmherrschaft für die WOCHE DES WASSERSTOFFS 2026 übernimmt Dr. Bernd Pitschak vom DWV e. V. genau diese Verantwortung.
Doch wer ist der Mensch hinter dem Amt? Was treibt ihn an? Und warum lässt ihn Wasserstoff seit über 25 Jahren nicht mehr los?
Wir haben nachgefragt.

Wann hast du persönlich gemerkt: Wasserstoff ist mehr als ein Fachthema für mich?
1999. In dem Moment, als ich mich erstmals beruflich mit Wasserstoff beschäftigen durfte.
Was zunächst wie ein technisches Spezialthema wirkte, entpuppte sich schnell als ein in sich schlüssiges System. Wasserstoff lässt sich als Kreislauf denken: Er wird mithilfe erneuerbarer Energien durch Elektrolyse hergestellt – also durch die Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Anschließend kann er in einer Brennstoffzelle wieder genutzt werden, um Strom zu erzeugen. Und das „Abgas“, wenn man es so nennen will, ist nichts anderes als Wasserdampf.
Aus Wasserdampf wird wieder Wasser. Und aus Wasser kann erneut Wasserstoff entstehen. Ein geschlossener Kreislauf. Sinnvoll. Nachvollziehbar. Emissionsfrei.
In diesem Moment war mir klar: Das ist mehr als eine Technologie. Das ist ein Ansatz, der Energie, Klima und Systemdenken verbindet.
Seitdem hat mich Wasserstoff nicht mehr losgelassen. Mein gesamtes berufliches Leben spielt sich seither in diesem Feld ab – aus Überzeugung und mit dem Gefühl, an etwas mitzuwirken, das weit über ein einzelnes Fachthema hinausgeht.

Was treibt dich an, dich, auch über deine eigentliche Funktion hinaus, für Wasserstoff zu engagieren?
Vor allem die Nachhaltigkeit, die Wasserstoff ermöglicht.
Ich habe es mit einem Energieträger zu tun, der nahezu unbegrenzt verfügbar ist und aus erneuerbaren Energien hergestellt werden kann. Wasserstoff erlaubt es, Energie zeitlich und saisonal zu verschieben – also genau dann bereitzustellen, wenn Sonne und Wind gerade nicht ausreichen.
Gleichzeitig ist er extrem vielseitig einsetzbar: Er kann Wärme erzeugen, Strom liefern und unterschiedliche Anwendungen miteinander verbinden. Und das emissionsfrei.
Diese Kombination aus Flexibilität, Klimaverträglichkeit und technischer Bandbreite macht ihn so besonders.
Wasserstoff ist kein Entweder-oder. Er ergänzt andere Energieformen sinnvoll. So entsteht ein Energiesystem, das anpassungsfähig bleibt, je nach Bedarf, Anwendung und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Genau diese Offenheit und Systemfähigkeit sind für mich der entscheidende Antrieb.
Was wünschst du dir, dass Menschen außerhalb der Fachwelt über Wasserstoff verstehen?
Vor allem eines: Dass Wasserstoff emissionsfrei aus Wasser hergestellt werden kann, mithilfe erneuerbarer Energien.
Er ist kein abstraktes Zukunftsthema. Er ist ein realer Energieträger. Man kann ihn dort einsetzen, wo er gebraucht wirdoder an anderen Orten erzeugen und transportieren.
Wasserstoff ist vielseitig nutzbar und ermöglicht eine emissionsfreie Anwendung in unterschiedlichen Bereichen. Darin liegt sein gesellschaftlicher Mehrwert.
Er bietet die Chance, Energie anders zu denken: sauberer, flexibler und nachhaltiger als mit vielen Energieträgern, die wir bisher genutzt haben.
Und vor allem: Wasserstoff bringt uns als Gesellschaft weiter, weil er Energie ermöglicht, ohne unsere Umwelt weiter zu schädigen.
Was bedeutet Verantwortung für dich in einer Phase, in der Wasserstoff so stark im öffentlichen Fokus steht?
Verantwortung heißt für mich: Haltung zu zeigen.
Gerade weil Wasserstoff kritisch hinterfragt wird, ist es wichtig, die fachlichen Argumente klar und sachlich zu benennen. Kritik gehört dazu und sie muss ernst genommen werden.
Ebenso wichtig ist Offenheit für andere Sichtweisen und Technologien. Verantwortung bedeutet, sich mit Gegenargumenten auseinanderzusetzen und nicht ideologisch zu reagieren. Der Anspruch muss sein, das Thema pragmatisch und faktenbasiert weiterzuentwickeln.
Wasserstoff hat seine Berechtigung. Seine Vorteile liegen auf der Hand, für die Gesellschaft ebenso wie für die Wirtschaft. Diese Potenziale verantwortungsvoll zu heben und in den öffentlichen Diskurs einzubringen, verstehe ich als meine Aufgabe.

Wie gehst du persönlich mit Unsicherheit, Kritik oder politischen Spannungsfeldern um?
Unsicherheit entsteht oft dort, wo Wissen fehlt. Im fachlichen Kontext lässt sie sich am besten durch fundierte Informationen abbauen. Entscheidend ist, dass dieses Wissen faktenbasiert und überprüfbar ist.
Kritik gehört zum beruflichen und gesellschaftlichen Diskurs. Sie sollte sachlich sein, nicht persönlich. Dann kann man sich konstruktiv mit ihr auseinandersetzen , eigene Argumente schärfen und berechtigte Einwände anerkennen.
Politische Spannungsfelder sind komplex. Auch hier orientiere ich mich an der Sache. Ziel muss sein, inhaltlich voranzukommen , nicht ideologisch zu argumentieren.
Ich lasse mich von Fakten leiten, bringe meine Argumente ein und werbe sachlich für die Themen, die ich voranbringen möchte.

Ein persönlicher Moment
Die Geburt meiner ersten Tochter.
Dieser Moment hat meinen Blick nachhaltig verändert. Plötzlich geht es nicht mehr nur um das eigene Leben, sondern um Verantwortung für die Zukunft. Um Entscheidungen, die Bestand haben müssen. Und um die Frage, wie das eigene Handeln heute die Welt von morgen beeinflusst.
Was treibt dich an, wenn es anstrengend wird?
Die Motivation. Der Grund, warum man sich überhaupt auf den Weg gemacht hat.
Wie im Sport sind es oft die letzten Meter, die am meisten Kraft kosten. Genau dann entscheidet sich, ob man weitermacht.
Aufgeben ist keine Option.
Welche Werte bestimmen deine Arbeit?
Respekt und Wertschätzung.

Und was hat in deinem Alltag nichts mit Wasserstoff zu tun?
Sport und Kochen.
Was möchtest du jungen Menschen mitgeben?
Auf das zu hören, was einen wirklich interessiert. Und den Mut zu haben, genau das zu verfolgen , auch wenn es nicht immer der scheinbar vielversprechendste Weg ist.
Wer den eigenen Neigungen folgt, kann seine Stärken am besten entwickeln und entfalten.

Warum braucht Wasserstoff öffentliche Formate wie die #WDW?
Weil es um Sichtbarkeit geht. Und zwar nicht nur innerhalb der Fachwelt, sondern darüber hinaus.
Solche Formate schaffen Offenheit. Sie machen transparent, öffnen Türen und geben Einblicke. Sie helfen, Missverständnisse gar nicht erst entstehen zu lassen , sondern zeigen, was es bereits gibt und was möglich ist.
Vor allem geht es darum, Menschen mitzunehmen. Ins Gespräch zu kommen. Fragen zu stellen. Antworten zu bekommen.
Die WOCHE DES WASSERSTOFFS schafft genau diesen Raum. Sie bringt Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnen würden. Viele Orte und Projekte sind im Alltag nur für Fachkreise zugänglich. Öffentliche Formate ermöglichen der Allgemeinheit Einblicke.
Genau deshalb sind sie wichtig. Sie machen Wasserstoff erlebbar.
Ausblick: Wasserstoff braucht Menschen
Technologien entstehen im Labor. Vertrauen entsteht im Dialog.
Die #WDW2026 steht für Austausch, Verständlichkeit und Beteiligung. Für offene Türen und offene Gespräche.
Mit seiner Schirmherrschaft macht Dr. Bernd Pitschak deutlich: Wasserstoff ist kein abstraktes Zukunftsversprechen. Es ist ein Weg – den wir gemeinsam gestalten.
Und vielleicht beginnt er genau dort, wo Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Wir freuen uns auf die Begegnungen, die Gespräche und die vielen Perspektiven während der WOCHE DES WASSERSTOFFS 2026.
Seid dabei.

______________________________________________________________________________
Dieser Beitrag entstand in enger Zusammenarbeit mit Anja Ritter und Dr. Bernd Pitschak vom DWV.
Mehr Infos über den Deutschen Wasserstoff-Verband (DWV) e. V., zu seiner Arbeit, zu seinen Gremien und Veröffentlichungen gibt es auf der DWV-Website sowie bei LinkedIn und YouTube.
Ebenfalls lesenswert: Der 1. Blogbeitrag des DWV im Rahmen der Schirmherrschaft vom 10. Dezember 2025 "Die Schirmherr;innen der #WDW2026 + der DWV e.V."








