Das Emsland und die Wasserstoff-Zukunft zum Anfassen: Hier wird aus Idee Realität
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- 3. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 7 Tagen

„Hydrogen Valley“ klingt ein bisschen nach Science Fiction. Nach futuristischen Städten, blinkenden Leitständen und komplizierter Technik. Im Emsland bedeutet es vor allem eins: machen.
Denn während andernorts noch diskutiert wird, wird hier bereits gebaut, getestet und umgesetzt. Genau das macht das Hydrogen Valley Emsland so spannend.
Wasserstoff ist hier kein abstraktes Zukunftsthema mehr, sondern Teil einer Entwicklung, die sichtbar wird. Zum Beispiel dann, wenn neue Infrastruktur entsteht und Anlagen in Betrieb gehen.
Und manchmal wird diese Entwicklung sogar hörbar, oder genauer gesagt: durch mehr Ruhe bemerkbar, etwa wenn Sperrmüllfahrzeuge nahezu lautlos unterwegs sind.
Das Emsland: anpacken statt abwarten
Das Emsland gehört zu den Regionen in Deutschland, die beim Thema Wasserstoff früh gesagt haben: „Dann legen wir mal los.“ Seit 2020 hat das Wasserstoff-Netzwerk H2-Region Emsland sogar eine eigene Geschäftsstelle im Herzen der Wasserstoffmetropole Lingen.
Warum gerade hier im Emsland?
Dafür gibt es mehrere Gründe:
viel Erfahrung im Bereich Energie und Industrie
Unternehmen, die Neues ausprobieren wollen
Platz für Infrastruktur und große Projekte
Menschen, die eher machen als lange reden

Das Ergebnis: Die Region entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem wichtigen Baustein der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland und darüber hinaus, weswegen das Emsland inzwischen auch als „EU-Hydrogen Valley“ ausgezeichnet wurde: als Region, die die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette heute schon abbildet.
Oder einfacher ausgedrückt: Hier wird Wasserstoff ganzheitlich gedacht – von der Erzeugung über Speicherung und Transport bis hin zur Nutzung.
Wasserstoff im echten Leben
Die spannende Frage lautet ja nicht: Kann Wasserstoff funktionieren?
Die Frage lautet: Wo begegnet er uns eigentlich? Im Emsland gibt es darauf schon heute einige Antworten.
Wasserstoff kann beispielsweise:
Industrieprozesse klimafreundlicher machen
schwere Fahrzeuge antreiben
Energie speicherbar machen
Regionen wirtschaftlich stärken
Aus einem abstrakten Thema wird damit etwas ziemlich Konkretes: Denn hinter Wasserstoff stehen nicht nur Leitungen, Anlagen und Technik, sondern auch Arbeitsplätze ebenso wie Unternehmen, Forschung, regionale Entwicklung und die Frage, wie Energieversorgung künftig funktionieren kann.
Teil eines größeren Ganzen
Das Emsland treibt diese Entwicklung nicht allein voran. Vielmehr entsteht sie im Zusammenspiel mit anderen Regionen und Netzwerken im Nordwesten.
Während in Ostfriesland erneuerbare Energie – insbesondere aus Windkraft – eine zentrale Rolle spielt, unterstützt die Metropolregion Nordwest die Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren und den Austausch über regionale Grenzen hinweg.
Bildhaft formuliert: Der Wind von der Küste trifft im Emsland auf Industrie, Ideen und Umsetzungskraft. Genau dieses Zusammenspiel macht den Nordwesten derzeit so interessant.

Und wie sieht das konkret aus?
Ein gutes Beispiel sind die Offshore-Netzanbindungen DolWin 4/BorWin4 von Amprion. Die dazugehörige Konverterstation wird in Lingen gebaut. Hier zeigt sich sehr konkret, was es heißt, wenn der Wind von der Küste im Emsland auf Umsetzungskraft trifft: Erneuerbare Energie braucht leistungsfähige Infrastruktur, damit aus Erzeugung auch Nutzung werden kann.
Im Emsland entstehen derzeit große Elektrolysekapazitäten. Die Projekte von bp und RWE bringen zusammen bis zu 400 MW auf den Weg: bp baut in Lingen im Rahmen von GET H2 einen 100-MW-Elektrolyseur, RWE plant dort insgesamt 300-MW Leistung. Solche Anlagen sind ein zentraler Baustein der Wasserstoffwirtschaft, weil sie mithilfe von grünem Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten. So wird aus erneuerbarer Energie ein speicherbarer Energieträger, der sich in Industrie, Mobilität und weiteren Anwendungen nutzen lässt.

Ein weiteres Beispiel ist die Umrüstung von Dieselmotoren auf Wasserstoffbetrieb bei Bücker + Essing. Gemeinsam mit Keyou wird daran gearbeitet, Wasserstoffmotoren für Nutzfahrzeuge auf die Straße zu bringen. Das zeigt, dass Wasserstoff nicht nur beim Aufbau neuer Infrastruktur eine Rolle spielt, sondern auch dort, wo bestehende Technik weiterentwickelt und für klimafreundlichere Anwendungen genutzt werden kann.

Dass Wasserstoff nicht nur in Industrieanlagen oder Infrastrukturprojekten eine Rolle spielt, zeigt das LAUTFEUER-Festival in Lingen. Dort wird seit mehreren Jahren grüner Wasserstoff für die Stromversorgung eingesetzt. 2024 konnte der Strombedarf der beiden Bühnen mithilfe einer Brennstoffzelle und eines Batteriespeichers gedeckt werden.
@LAUTFEUER_Tina Poppenborg @LAUTFEUER_Erik Mersmann
Wie sich Wasserstoff im Alltag bemerkbar macht, zeigt auch ein wasserstoffbetriebenes Sperrmüllsammelfahrzeug im Emsland. Der Unterschied ist nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören. Denn sowohl das Fahrzeug als auch die Presse laufen mit Wasserstoff und arbeiten deutlich leiser. Wo früher Lärm und Abgase zum Alltag gehörten, ist heute vor allem noch der Moment zu hören, in dem die Presse sperrigen Abfall verdichtet. Genau solche Beispiele machen aus einem Zukunftsthema etwas ganz Konkretes.

Und genau darin liegt die Stärke der Region: Wasserstoff nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern praktisch sichtbar zu machen.
Wir müssen Zukunft nicht erfinden – wir müssen sie umsetzen.
„Das Emsland beweist: Wasserstoff ist längst mehr als ein Zukunftsversprechen. Entscheidend ist, Projekte mutig anzugehen und umzusetzen, regionale Stärken zu verbinden und konkrete, marktfähige Anwendungen zu realisieren.“
Vanessa Böhle, Projektmanagerin der H2-Region Emsland
Und wie geht es weiter?
Die kurze Antwort? Mit ziemlich viel Bewegung.
Viele Projekte stehen noch am Anfang. Andere wachsen gerade. Wieder andere existieren bisher vielleicht nur auf Skizzen oder auf Whiteboards. Aber genau so entstehen Zukunftsregionen.
Das Emsland zeigt dabei etwas Wichtiges: Transformation funktioniert nicht nur in Großstädten oder Forschungslaboren. Sie funktioniert auch dort, wo Menschen pragmatisch zusammenarbeiten und Lust haben, neue Wege auszuprobieren.
Und manchmal beginnt genau dort etwas, das später weit über eine Region hinaus Bedeutung bekommt.

Im nächsten Beitrag geht es weiter Richtung Küste – dorthin, wo aus Windenergie Wasserstoff werden kann.
Die drei Blogbeiträge finden Sie hier:
Das Emsland und die Wasserstoff-Zukunft zum Anfassen: Hier wird aus Idee Realität
Wo der Wind zur Zukunft wird: H2-Ostfriesland und der Anfang einer Wasserstoff-Reise
Neugierig geworden?
Die #WOCHE DES WASSERSTOFFS zeigt jedes Jahr, wie vielfältig Wasserstoff gedacht und umgesetzt wird – auch im Nordwesten Deutschlands.
Eine der Veranstaltungen ist: WiRe goes Berlin! am 22. und 23. Juni in Berlin.
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Dieser Beitrag entstand mit der Unterstützung von Melanie Büld, Esther Gebert und
Dr. Tim Husmann (alle H2-Region Emsland), Nicola Illing und Dr. Janka Wagner (beide Metropolregion Nordwest) sowie Birte Ricklefs (H2-Region Ostfriesland).

Mehr Infos und Aktuelles gibt es auf den Websites der drei Regionen (im Text bereits verlinkt) und bei LinkedIn: Metropolregion Nordwest, H2-Region Emsland, Landkreis Aurich.






