"Tara und die magischen Wasserstoff-Handschuhe" – ein Interview mit Sonja Green
- Gastautor:in

- 19. Nov.
- 5 Min. Lesezeit

Sonja Green verbindet wissenschaftliche Neugier mit Kreativität und Herzblut – sie möchte Kinder für Energie, Forschung und Zukunftsthemen begeistern. Als Wissenschaftsmanagerin im Büro der Geschäftsführung arbeitet Sonja am Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie und hat mit ihrem Kinderbuch „Tara und die magischen Wasserstoffhandschuhe“ eine Brücke zwischen Wissen und Fantasie geschaffen. In unserem Gespräch erzählt sie, wie Wasserstoff zu ihrem Herzensthema wurde – und warum sie glaubt, dass Kinder die besten Zukunftsforscher:innen sind.
Du, Sonja, Wasserstoff + ein Kinderbuch. Wie kam es zu diesem Match?
Ich war als Kind ein echter Bücherwurm und habe Mathe- und Physikrätsel geliebt. Ich war neugierig, wie die Welt funktioniert – und habe nie ganz in eine Schublade gepasst: Ein Mädchen, das gut in Physik ist, gerne Fußball spielt, aber auch Puppen mag. Wasserstoff passt da perfekt, da es vielseitig, spannend und voller Möglichkeiten ist.
Was war der erste Moment in deinem Leben, in dem du dachtest: Energie ist mein Thema?
Einen klaren Aha-Moment gab es nicht. In meiner Doktorarbeit forschte ich an Materialeigenschaften von opto-elektronischen Bauteilen, wie etwa Solarzellen. Mit der zunehmenden Dringlichkeit des Klimawandels wuchs in mir der Wunsch, aktiv etwas beitragen. So führte mein Weg ins Wissenschaftsmanagement für Materialien und erneuerbare Energien und habe dort mein Thema gefunden.

Wie und wann kam Wasserstoff dann konkret in dein Leben?
Noch nicht im ersten Studium. Später habe ich berufsbegleitend das Weiterbildungsstudium „Wasserstoff für Fach- und Führungskräfte“ am Center für Lebenslanges Lernen der Uni Oldenburg gemacht. Der Studiengang lief damals zum ersten Mal (2022/2023), und ich fand es spannend, etwas völlig Neues auszuprobieren. Gleichzeitig starten in meinem Forschungszentrum viele Projekte zum Thema Wasserstoff – und ich wollte genau verstehen, worüber alle sprachen.
Gab es einen Aha-Moment beim Studium?
Ja, als mir klar wurde, wie vielseitig Wasserstoff einsetzbar ist – von industriellen Anwendungen bis hin zur Mobilität – hat mich das sofort fasziniert. Gleichzeitig habe ich verstanden, dass er nicht überall die perfekte Lösung ist. Diese Vielschichtigkeit fand ich unglaublich spannend, vor allem die Verbindung technischer mit wirtschaftlichen Überlegungen.
Und wann kam die Idee: „Das erkläre ich Kindern“?
Als meine fünfjährige Tochter eines Tages eine große Kabeltrommel in der Straße sah und fragte, ob die neuen Kabel von den Windrädern bis zu unserem Toaster führen, wurde mir klar, wie viel sie schon verstanden hatte. Wir hatten zuvor oft über Windräder gesprochen – darüber, warum sie sich manchmal nicht drehen, weil das Netz überlastet ist. Da kam mir der Gedanke, dass Kinder Energiethemen bereits erstaunlich gut begreifen können. Ich wollte dieses Wissen und meine eigene Begeisterung weitergeben – und besonders Mädchen zeigen, dass es völlig normal ist, sich für MINT-Themen zu interessieren. Den entscheidenden Anstoß, daraus ein Buch zu machen, gab mir schließlich meine Coachin.

Wie heißt dein Buch und worum geht es?
Das Buch heißt „Tara und die magischen Wasserstoffhandschuhe“. Die 9-jährige Tara erlebt nach einer Überschwemmung, wie ihr bester Freund sein Zuhause verliert und will helfen. Eine Pinguin-Drohne namens Spark übergibt ihr magische Wasserstoffhandschuhe, mit denen sie lernt, wie Wasserstoff Züge, Schiffe und Flugzeuge antreiben kann. Natürlich läuft nicht alles nach Plan – aber mit Mut und Köpfchen findet Tara Lösungen.
Wen aus deinem Buch würdest du gerne einmal treffen?
Definitiv Spark! Pinguine sind meine Lieblingstiere, und Spark weiß alles über Wasserstoff – er wäre mein perfekter Begleiter.
Hast du eine Lieblingsstelle im Buch?
Als Tara ihre Zweifel überwindet und mit Begeisterung andere ansteckt. Da wird deutlich, dass Wissen Mut geben kann – das gefällt mir sehr.
Welche Reaktionen von ersten Testleser:innen haben dich besonders berührt?
Die von Lara, 7 Jahre alt. Sie schrieb in der Schule: „Meine Traumschule ist eine grüne Wasserstoffschule, in der man in den Pausen forschen kann.“ Und der Sohn meiner Illustratorin meinte: „Cool, dass du uns zutraust, sowas zu verstehen.“ Die Reaktion der Eltern war oft, „ich habe beim Vorlesen selbst viel gelernt."

Welche Frage von Kindern zum Thema Energie hörst du am häufigsten?
Viele fragen: „Warum nutzen wir nicht einfach nur erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff?“ Ich erkläre, dass genau daran gearbeitet wird – aber alles seine Zeit braucht. Wir bewegen uns Schritt für Schritt in die richtige Richtung.
Würdest du Lehrer:innen dein Buch für die Arbeit im Unterricht empfehlen?
Auf jeden Fall! Das Buch eignet sich aus meiner Sicht sehr gut zum Beispiel zum Vorlesen in der Grundschule. Auf der Webseite finden Lehrkräfte außerdem einfache Bastelideen und kleine Mitmachexperimente zu den Kapiteln, die sich hervorragend für den Unterricht eignen, selbstverständlich ohne echten Wasserstoff!
Deine Energiezukunft, wenn die Kinder von heute erwachsen sind – wie sieht die aus?
In meiner Vorstellung ist Wasserstoff fester Bestandteil des Alltags. Erneuerbare Energien werden selbstverständlich sein, und internationale Zusammenarbeit beim Wasserstoffimport wird funktionieren. Dass mein Buch dazu einen kleinen Beitrag leisten kann, motiviert mich weiterzumachen.
Und was würdest du gern in 10 Jahren über dein Buch hören?
Ich wünsche mir, dass es in vielen Bibliotheken steht und Kinder dazu inspiriert, Fragen zu stellen und Neues zu denken.

Kommt ein zweiter Teil? Gibt es bereits weitere Ideen?
Na klar habe ich schon Ideen. Es wird ein weiteres magisches Element geben und die Früchte des Regenbogenbaums werden auch eine wichtige Rolle spielen. Aber mehr verrate ich nicht.
Und planst du eine Veröffentlichung in andere Sprachen?
Das Buch soll auch auf Englisch erscheinen. Mein Mann ist Schotte und wird es übersetzen – in Schottland ist das Thema Wasserstoff anscheinend noch wenig bekannt. Das möchte ich gerne ändern!
Last but not least. Wie sieht dein Alltag zwischen Wissenschaft und Kindergeschichten aus und wo kann man das Buch kaufen?
Tagsüber unterstütze ich unsere Forschenden dabei, ihre Arbeit bestmöglich umzusetzen. Abends widme ich dem Schreiben und der Veröffentlichung des Kinderbuches. Außerdem lese ich mein Buch ehrenamtlich in Grundschulen vor – das ist für mich immer ein besonderes Erlebnis. Das Buch bekommt man überall, wo es Bücher zu kaufen gibt, im Buchladen aber auch online!
Ergänzende Anmerkung der Autorin:
Im Buch spreche ich über „grünen“ Wasserstoff, denn da sehe ich das Ziel. Gemeint ist aber grundsätzlich Wasserstoff in all seinen Formen und Facetten, als vielseitiger Energieträger der Zukunft. Selbstverständlich erläutere ich die Farbsystematik des Wasserstoffs und gehe auf die Bedeutung von grünem, blauem und grauem Wasserstoff ein. Zudem erläutere ich kindgerecht Elektrolyse, Wasserstoffzüge, Tankstellen, Brennstoffzellen, Wasserstoffkernnetz, nachhaltige Flugzeugtreibstoffe und vieles mehr. Ergänzend gibt es auch ein Arbeitsblatt zu dem Thema, das Taras Schulklasse bearbeitet.
Die wundervollen Illustrationen sind von Manuela Buske.
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Dieser Beitrag entstand in enger Zusammenarbeit mit Sonja Green.

Über Tara, Spark und Sonja Green
Tara und Spark wurden von Sonja Green "erschaffen". Sie sind auf einer Mission und wollen die Welt ein bisschen grüner machen! Aber das schaffen sie nicht allein ...
Mehr Infos zum Buch gibt es auf dieser Website, bestellen kann man es zum Beispiel hier. Und wer will folgt Tara, Spark und Sonja bei Instagram und LinkedIn.
Die Bildrechte für alle verwendeten Medien liegen bei ©Sonja Green.








